Wednesday, 25 May 2016



Freilich: Zu entschiedenem Widerspruch freilich reizt mich jeder Atheist, dem die Evolutionslehre als Erklärungsmodell der Welt „heilig“ ist. Vernehmlich gesagt: Auch für mich sind die Evolution und die wesentliche Rolle der natürlichen Selektion für die Entstehung des Menschen im Tier-Mensch-Übergangsfeld wissenschaftlich erwiesen. Die biologischen Gesetze der Evolution jedoch sind auf die Chemie zurückzuführen. Und die Chemie wiederum gründet in der Physik.

Jeder gläubige Atheist muss sich von mir die Frage gefallen lassen: Woher kommt die Evolution? Offenkundig bin ich ein Anhänger der Hierarchie der Naturwissenschaften, einer Lehre, wie sie von dem englischen Gelehrten Arthur Peacocke (1924 – 2006) entwickelt wurde. Die Kernfrage gegenüber Atheisten lautet folglich: Woher kommt die Anfangssingularität? Diese Frage entzieht sich allen physikalischen Begriffen und Gesetzen. Schon eine 1000stel Sekunde nach dem Urknall gelten wohlbekannte Gesetze der Physik. Aber für die Zeit 0 undirrHI für die Ursache der geheimnisvollen Urexplosion ist der Physiker in einer gewissen Verlegenheit: Wie soll er erklären, dass in einer winzigen Einheit von unendlicher Dichte, Temperatur und Anfangsschwung das ganze Potential für hundert Milliarden Galaxien enthalten war?

Meine Antwort an die Atheisten: Die Anfangssingularität gründet in einer „übernatürlichen“ Realität; es gibt eine grundlegend geistige Schicht der Wirklichkeit jenseits von Raum und Zeit. Was hält die Welt im Innersten zusammen? Im Urgrund aller Dinge ist ein geistiges Prinzip erkennbar, und weniger eine materielle Basis.

Auch im Beitrag „Gottlos, aber religiös“ fällt auf, dass der Begriff „Hoffnung“ im Wortschatz von Atheisten nicht oder kaum vorkommt. Hier nun bin ich ein gelehriger Schüler des Agnostikers Max Horkheimer (1895 – 1973): „Es gibt nun einmal die Sehnsucht nach vollendeter Gerechtigkeit. Religion ist die Hoffnung, dass es bei diesem Unrecht, durch das die Welt gekennzeichnet ist, nicht bleibe, dass das Unrecht nicht das letzte Wort sein möge. Diese Sehnsucht gehört zum wirklich denkenden Menschen.“